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Das Herz wird nicht dement

Heute möchte ich Euch ein besonders schönes Buch für Angehörige und Pflegende vorstellen. Das Herz wird nicht dement, von Udo Baer und Gabi Schotte-Lange. Sehr einfühlsam geschrieben, gibt es wertvolle und äußerst patientenbezogene Tipps für den Umgang mit dementen Menschen. Empfehlenswert für alle, denen eine liebevolle und zugewandte Pflege von Menschen mit Demenz am Herzen liegt.

 

Udo Baer und Gabi Schotte-Lange: Das Herz wird nicht dement. Rat für Pflegende und Angehörige. 125 Seiten. ISBN 978-3-407-85966-2. 12,95 Euro. Beltz Verlag

 

Die Autoren von „Das Herz wird nicht dement“

Udo Baer arbeitet selbst als Therapeut, ist aber gleichzeitig auch in der Ausbildung tätig. Sein Hauptaugenmerk liegt auf einem würdevollen Umgang mit Demenzkranken.

Gabi Schotte-Lange arbeitet seit vielen Jahren als Kunsttherapeutin innerhalb der Altenarbeit.

 

Aufbau und ausgewählte Inhalte des Buches „Das Herz wird nicht dement“

Was liegt den Autoren am Herzen? Welches Ziel verfolgen sie?

Udo Baer und Gabi Schotte-Lange geht es in ihrem Buch „Das Herz wird nicht dement“ vor allem darum, ganz praktische Hilfen für Pflegende und für Angehörige zu liefern. Menschen mit Demenz sollen somit gewürdigt, wie auch mit Würde begleitet werden.

Baer und Schotte-Lange plädieren aufgrund ihrer langjährigen praktischen Erfahrungen für ein anderes Verständnis hinsichtlich der Erkrankung Demenz. Im Vordergrund stehen für sie nicht die zunehmenden Gedächtnisstörungen, sondern vielmehr die Innenwelten, das Herz, der Menschen mit Demenz. Gerade das macht dieses Buch so einzigartig und so wertvoll, für Betroffene wie für die Menschen die sie begleiten. Geht es doch darum, (Menschen-) Würde und Kontakt bis zum Schluss zu halten, zu stärken und zu pflegen.

1 Das Gedächtnis des Herzens

Erinnern ist mehr als ein Prozess, der sich nur auf das Denken beschränkt. Erinnern ist komplex. Es betrifft immer die Gesamtheit eines Menschen. Körperlichkeiten, Gehör, der Geruchssinn, Emotionen und noch vieles mehr bilden kleine Bausteine des Erinnerns. Sie gilt es zu aktivieren und zu nutzen, denn sie geben wichtige Impulse, die das Gedächtnis aktivieren.

Die Autoren sprechen in diesem Zusammenhang auch von dem Gedächtnis des Herzens. All diese Sinneseindrücke aktivieren (berühren) zunächst das Herz. Haben darüber jedoch zur Folge, dass auch das kognitive Gedächtnis über diesen emotionalen Umweg wieder stärker aktiviert wird. Wird das Herz eines Menschen berührt, werden Brücken gebaut. Zwischenmenschlich wie im einzelnen Menschen selbst.

2 Gefühle, Gefühle, Gefühle

In diesem Abschnitt erinnern die Autoren an das Wesentliche und die herausragendste Eigenschaft von Menschen überhaupt. Denn auch wenn Gedächtnisleistungen nachlassen, eines lässt nicht nach und das ist das Gefühlserleben von Menschen.

Dennoch kommt es auch hier zu Veränderungen. Für die Betreuung und Pflege demenzkranker Menschen kann es daher nur von Vorteil sein, diese zu kennen. Ist es doch nur so möglich, tatsächlich mit Demenzkranken mitzugehen und diese auf Augenhöhe zu begleiten.

2.1 Die Scham

Scham ist für Demenzkranke ein bedeutendes Thema. Es begleitet sie auf Schritt und Tritt, denn zumindest im Anfangsstadion der Erkrankungen sind sich die Betroffenen der nachlassenden Gedächtnisleistungen oftmals voll bewusst. Es beginnt ein Versteckspiel mit sich selbst wie auch mit allen sozialen Kontakten. Eine Belastung, die auf Dauer immer schwerer wiegt und nicht selten zu sozialem Rückzug führt.

2.2 Die Angst und die Verzweiflung

Ähnlich verhält es sich mit den Themen des nächsten Kapitels. Denn wird das Fortschreiten der Demenzerkrankung bewusst wahrgenommen, ist gut nachvollziehbar, wie Angst und Verzweiflung ebenso zunehmen.

Demenzkranke Menschen sehen sich gezwungen einen Weg zu gehen, deren Ziel und Ende sie weder kennen noch einschätzen können. Um so wichtiger ist es für sie, diese Ängste innerhalb eines geschützten Rahmens artikulieren zu können. „Geteilte Angst verliert an Kraft und Gewalt“, so die beiden Autoren.

2.3 Das Schuldgefühl

Schuldgefühle gehören zum menschlichen Leben unausweichlich dazu. Als gesunder Mensch jedoch verfügt man über viele Möglichkeiten mit Schuldgefühlen umzugehen. Es stehen unzählige Verdrängungs- und Ablenkungsmechanismen zur Verfügung.

Diese jedoch fallen bei Demenzerkrankten mehr und mehr weg. So kann es sein, dass diese von Schuldgefühlen übermannt werden. Wertschätzung und anteilnahmsvolle Gespräche können hier wirkungsvoll Abhilfe schaffen.

2.4 Die Trauer

Verluste jeder Art sind natürlich zwangsläufig mit Trauer verknüpft. Wichtig ist nur, auch das innerhalb der Begleitung von dementen Menschen mitzudenken und dementsprechend zu intervenieren.

2.5 Die Geborgenheit

Der Verlust der Geborgenheit führt zu psychosozialer Instabilität, die sich durch sämtliche Lebensbereiche zieht. Wie das Gefühl der Geborgenheit intensiviert werden kann erklären Udo Baer und Gabi Schotte-Lange in diesem Abschnitt ihres Buches „Das Herz wird nicht dement“.

2.6 Aggressive Gefühle und ihr Subtext

3 Der soziale Rückzug und die Einsamkeit

4 Herz und Hirn – Demenz verstehen

5 Schrecken und Trost – Wenn der Mandelkern aktiv wird

6 Was Menschen mit Demenz brauchen

6.1 Das SMEI-Konzept

Beim SMEI Konzept oder der Sensomotorisch Erlebniszentrierten Interaktion handelt es sich um ein ausgesprochen ganzheitliches Konzept, bei dem die Sinne, die Motorik, das Erleben und die wechselseitige Interaktion mit Demenzkranken im Mittelpunkt stehen. Die Autoren erläutern, was es zu beachten gibt und wie dieses Konzept innerhalb der Betreuung und Begleitung Demenzkranker sinnstiftend eingebaut werden kann.

6.2 Achtsamkeit der Sinne

6.3 Bewertungstraining statt Gedächtnistraining

6.4 Resonanzen des Herzens

6.5 Würdigende Biografiearbeit

6.6 Vertrautheit

7 Was Pflegende brauchen

7.1 Verstehendes Mitgefühl

7.2 Krisenmanagement: Einfühlen, Andocken, Abholen

7.3 Beziehungskontinuität und Beziehungsfähigkeit

7.4 Erlaubnisklima

7.5 Haltung statt Techniken

7.6 Angemessene Rahmenbedingungen und Entlastung

8. Ausklang: Würde bis zuletzt

Die Autoren plädieren in ihrem abschließenden Kapitel dafür Würde als Leitbild im alltäglichen Handeln zu praktizieren. Doch was genau heißt das?

Würde in das alltägliche Handeln zu implizieren richtet sich zunächst einmal als Handlungsaufforderung an jeden Einzelnen von uns. Es beinhaltet vor allem Achtsamkeit und Respekt vor den individuellen Wünschen und Eigenheiten unseres jeweiligen Gegenübers, insbesondere dann, wenn Kräfteverhältnisse ungleich verteilt sind und Ungleichheit oder Hilfebedürftigkeit im Vordergrund stehen.

 

„Das Herz wird nicht dement“ – Tauglichkeit für potenzielle Leser

Ich denke spätestens wenn man die Inhalte zum letzten Kapitel des Buches liest wird deutlich, dass dieses Buch wirklich jedem Leser viel zu bieten hat. „Das Herz wird nicht dement“ gehört für mich zur absoluten Standardliteratur für alle, die mit demenzkranken Menschen zu tun haben. Darüber hinaus aber möchte ich es auch allen anderen Menschen ans Herz legen, denn die Achtsamkeit und das eigene Einfühlungsvermögen in dieser Richtung zu sensibilisieren und zu trainieren kann tatsächlich niemandem schaden, jedoch vielen Menschen nützen.

Es grüßt Euch wir immer Euer Sascha Heyna und das Team der Veedelspflege

Seniorenbetreuung, Demenzbetreuung und Ambulante Pflege für Köln

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